Invasive Neophyten

Aktionsgruppe Neophyten

Die Aktionsgruppe Neophyten der Umweltpaten Schmitten und des BUND Schmitten hat sich zur Aufgabe gemacht unsere einzigartige und schöne Natur im Gemeindegebiet Schmitten vor invasiven Neophyten zu schützen.

Ganz im Sinne unseres Leitsatzes BEWAHRE • BEHÜTE • BESCHÜTZE

Neophythengruppe der UMPAS © Anna GladisDie Gruppe freut sich über helfende Hände und weitere Mitstreiter.

In der Botanik ist ein Neophyt eine Pflanzenart, die nicht in einer geografischen Region heimisch ist und in der jüngeren Geschichte eingeführt wurde. Nicht jeder Neophyt stellt eine Gefahr für die Umwelt dar aber einige davon, haben jedoch negative Auswirkungen auf heimische Arten, Lebensgemeinschaften oder Lebensräume und gefährden dadurch die Biodiversität. Diese werden als invasive Neophyten bezeichnet.

Allein in Deutschland sind mindestens 168 Tier- und Pflanzenarten bekannt, die nachweislich negative Auswirkungen haben – oder haben könnten. So viele Arten listet das Bundesamt für Naturschutz in seinem Managementhandbuch für invasive Arten auf.

Im Taunus sind vor allem der Amerikanische Stinktierkohl, das Indische oder Drüsige Springkraut, Staudenknöteriche, der Riesen-Bärenklau (Herkulesstaude) und die Ambrosia eine Gefahr für die heimische Flora und Fauna. Die Aktionsgruppe Neophyten hat sich auf die Bekämpfung des Amerikanischen Stinktierkohls, des Indischen oder Drüsigen Springkrauts und der Staudenknöteriche (Fallopia japonica, Fallopia sachalinensis, Fallopia x bohemica) konzentriert.

Weiterführende Links:
• Invasive Arten in Hessen
• EU-Liste invasiver gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten

 

Haben Sie invasive Neophyten gesichtet?

Dann senden Sie uns den Standort (wenn möglich mit Foto und GPS-Daten) bitte per Mail an schmitten[at]bund-hochtaunus.de oder info[at]umpas-schmitten.de oder über unsere Facebookseite.

 

Artensteckbriefe der invasiven Neophyten

Amerikanischer Stinktierkohl
(Lysichiton americanus)

Der Stinktierkohl ist eine große Sumpfstaude mit auffallend großen, ungeteilten, gestielten, tabakartigen Blättern, die bis zu 1,5 m lang werden können.

Amerikanischer StinktierkohlDer attraktive Blütenstand, ein von einem gelben Hochblatt (Spatha) umgebener grüner 12-20 cm langer Kolben, erscheint im zeitigen Frühjahr vor den Blättern. Daran bilden sich Beeren-Früchte mit je 1-4 Samen. Der Blüten- und Fruchtstand ähnelt damit dem des heimischen Aronstabes.

Die Art besiedelt vor allem feucht-schattige, zumeist sumpfige, naturnahe Standorte und kommt auch in stehenden und kleineren fließenden Gewässern vor. Lysichiton-Pflanzen können unter günstigen Bedingungen auf halbschattigen, nährstoffreichen und sauren Standorten in Gewässernähe bis 1,2 m hoch werden und bis zu 50 cm breite Blätter entfalten.

Durch die hierdurch erzielte Konkurrenzwirkung können typische Tier- und Pflanzenarten zurückgedrängt werden, z.B. Torfmoose, Sumpf-Veilchen (Viola palustris) und Orchideen. Lysichiton americanus kann damit eine Bedrohung für die Vegetation von Feuchtstandorte darstellen.

 

Indisches oder drüsiges Springkraut
(Impatiens glandulifera)

Ursprünglich war das drüsige Springkraut im Himalaya beheimatet. Im 19. Jahrhundert wurde es als Zierpflanze gezielt nach Europa eingeführt, wo es sich über botanische Gärten weiterverbreiten konnte.

Indisches SpringkrautMittlerweile kommt es massenweise an Fließgewässern vor und führt zur Unterminierung der Bachufer.

Seinen Namen erhielt es durch seinen Verbreitungsmechanismus, da der Samen bis zu sieben Meter weit und zwei Meter hoch geschleudert werden kann.

Die rosafarbenen Blüten der bis zu 60 cm groß werdenden Pflanze riechen nach Kokosnuss. Wegen seines Nektarreichtums bevorzugen Bienen das Springkraut vor allem in nektarärmeren Jahreszeiten. Dies führt zu einem unerwünschten Druck auf konkurrierende einheimische Pflanzen.

Außerdem bildet die Art oft flächendeckende Bestände, die andere heimischen Arten am Wachsen hindern.

Steckbrief Indisches Springkraut

 

 

Staudenknöterich
(Fallopia japonica, F. sachalinensis, F. x bohemica)

Ursprünglich aus Ostasien kommend, wurde er als Zier- und Futterpflanze (für Pferde und Kühe) 1825 nach Europa gebracht. Auch er breitete sich explosionsartig aus, vor allem über lang reichende Wurzelsprosse an Flussufern entlang, aber auch durch kleine Teile der Stängel, die überall anwachsen können.

Japanischer StaudenknöterichDurch seine Höhe von bis zu vier Metern und das dichte Blätterdach behindert er den Aufwuchs anderer Pflanzen und hat sich gegen die einheimische Flora durchgesetzt.

Da die Pflanzen bis zu zwei Meter lange Rhizome ausbilden können verursacht dies einen immensen Aufwand, die Pflanzen zu entfernen. Mindestens achtmalige Mahd, Schafbeweidung oder Weidenspreitanlagen werden für seine Eindämmung benötigt. 34 bis 41 Millionen Euro werden jährlich deutschlandweit zur Bekämpfung ausgegeben.

Steckbrief Staudenknöterich

 

Weiterführende Links:
• Beispiele invasiver Pflanzenarten (Neophyten)
• Amerikanischer Stinktierkohl

 

Gründe warum wir invasive Neophyten in Schmitten bekämpfen sollten

  • Naturschutz
    • invasive Neophyten gefährden die Biodiversität.
  • Zum Schutz seltener und gefährdeter Pflanzenarten, wie z.B. Orchideen die in Schmittener Feld und Flur wachsen.
    • Invasive Neophyten vermehren sich an geeigneten Standorten sehr schnell bzw. explosionsartig und verdrängen dadurch einheimischen Pflanzenarten.
  • Um eine Veränderung des Landschaftsbilds zu verhindern.
    • Hier sind vor allem die aufgrund des Borkenkäfer Befalls und durch Sturmschäden abgeholzten Gebiete unseres Waldes gefährdet in denen sich die Staudenknöteriche schnell ausbreiten können und zu dichten Beständen wachsen können.
  • Zur Vermeidung von Problemen and den Ufern unserer Bäche
    • Im Uferbereich kann es durch ein Verdrängen des natürlichen Uferbewuchses durch die invasiven Neophyten zu vermehrter Erosion der Bachufer kommen. Zusätzlich können die dichten und harten Stängel der Knöterichpflanzen den Wasserabfluss hemmen.
  • Zur Verhinderung von Schäden an Straßen, Fundamenten und Mauern und daraus resultierenden wirtschaftlichen Schäden
    • Staudenknöteriche können durch ihre kräftigen und großen Rhizome die eine enorme Wuchskraft haben selbst Beton sprengen

 

Geplante Maßnahmen zur Bekämpfung der invasiven Neophyten in Schmitten

Die Art der Bekämpfung richtet sich im Wesentlichen nach der Größe und der Beschaffenheit/ Zugänglichkeit des Standorts.

  • Kleine und mittlere Bestände können durch ein manuelles Ausreißen der Pflanze mit Wurzeln bekämpft werden.
  • Große und ausgedehnte Gebiete können durch Mahd entfernt werden.
  • Die Beweidung z.B. durch Schafe ist sehr erfolgreich, vor allem in Ufernähe. Dies wird auch schon im Weiltal zwischen Schmitten und Dorfweil zur Bekämpfung des Indischen Springkrauts durchgeführt.

Diese Maßnahmen müssen mehrfach im Jahr und über einen Zeitraum von mehreren Jahren wiederholt werden um zum Erfolg zu führen.

Geplant sind Aktionstage in Verbindung mit Naturführungen, bei denen die Teilnehmer aktiv Hand anlegen und Pflanzen entfernen.

Für weitreichende Gebiete und vor allem an den Bachufern ist eine Mahd oder die Beweidung durch Schafe vorgesehen.

Aber nicht nur die Bekämpfung an Ort und Stelle ist wichtig um eine Ausbreitung der invasiven Neophyten zu verhindern, ein wichtiger Punkt ist auch die Information und Sensibilisierung der Schmittener Bürger zu diesem Thema. Der Weg vom Garten in die Natur ist der häufigste Weg auf dem die invasiven Neophyten in die freie Natur gelangen.

 

Unsere Ansprechpartner zum Thema:
Anna Gladis (BUND Schmitten • UMPAS Schmitten)
Dr. Gudrun Urban (UMPAS Schmitten)
Ingeborg Lingner (BUND Schmitten • UMPAS Schmitten)

 

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